| Thema: Autoarme Innenstadt
Text von Katharina Krefft im Ratschlag 52/ Ausgabe Juni 2007
Leipzig`s autoarme Innenstadt? Weit gefehlt!
Es ist die Eroberung des öffentlichen Raumes. Mit den Bautätigkeiten in der Innenstadt wurde in den letzten Jahren der Durchfahrt durch die City jedes Hindernis genommen.
Langsam fielen alle Grenzen – die Hainstraßen-Poller werden nicht repariert, die Nikolaistraße ist zur Durchfahrtsstraße verkommen und wurde im unteren Teil Dauerparkplatz. Neumarkt und Brühl wurden bis heute nicht gesperrt und „erfreuen“ sich erheblichen Verkehrs. Der nördliche Neumarkt wurde zuletzt ganz geöffnet. Das Böttchergäßchen (Bildermuseum), anfänglich in der Nacht als Parkplatz genutzt, nun ganztägig ungeniert und ohne Parkzettel beparkt. Ebenso verhält es sich mit dem Thomaskirchhof - trotz des Parkhauses „Marktgalerie“! Straße um Straße wird von Autofahrern erobert. Mehrmals täglich kann man sogar die schamlose Querung des Salzgäßchens beobachten. Der Markt wird auch schon mal diagonal genommen, schließlich wurden ja die Bordsteinkanten abgesenkt.
Die Verwaltung handelt nicht!
Im Rahmen des Mentoringprogrammes der sächsischen Bündnisgrünen hatten sich Claudia Maicher und Daniel von der Heide vorgenommen, mit ihren Mentoren Wolfram Leuze und Roland Quester den Ausgangsbeschluss von 1993 und folgende, sowie die tatsächliche Umsetzung zur autoarmen Innenstadt in einer Synopse gegenüberzustellen. Aus diesen Erkenntnissen entstanden zum Thema ein Antrag sowie eine Anfrage (siehe www.gruene-leipzig-fraktion.de).
So beschloss der Stadtrat dazu erstmalig 1993 die Sperrung der Innenstadtstraßen für den individuellen Autoverkehr. Die Zufahrt für Lieferverkehr von 5 bis 11 Uhr und freie Zufahrt für Anwohner mittels Pollerkarten lassen keine Wünsche übrig. Doch aus dem ambitionierten Beschluss ist eine Farce geworden, wie sie in keiner deutschen Stadt dieser Größe zu finden ist. Die Verwaltung lässt es passieren, ja sie unterstützt die Autofreundlichkeit. Poller werden nicht wiedererrichtet (Peterstraße), nicht repariert (Hainstraße) oder offen gelassen (nördlicher Neumarkt und Grimmaische/Ecke Neumarkt).
Die Innenstadt von Leipzig ist überschaubare 0,7 km² klein. Vier Parkhäuser und ein beispielhafter ÖPNV machen sie zugänglich. Menschen mit und ohne Behinderung finden mit der Buslinie 89 eine attraktive Anbindung mitten in die Stadt hinein.
Wir fordern nun mit der Fortschreibung der autoarmen Innenstadt die Wiederherstellung des einmal Erreichten, die Umsetzung dessen, was beschlossen war, aber ausblieb, sowie die Sperrung von weiteren Straßen für den Autoverkehr. Im Einzelnen schlagen wir, mit Fertigstellung des Neubaues am Brühl, der eine weitere Tiefgarage vorsieht, die Schließung des Parkplatzes Richard-Wagner-Platz und den Brühl als autofreie Zone vor. Weiter wünschen wir die Verkehrsberuhigung der Goethestraße, die Burgstraße als Fußgängerzone und die Sperrung von Neumarkt, Reichsstraße und Schuhmachergäßchen für den Autoverkehr außerhalb der Lieferzeiten.
Bündnis 90/Die Grünen will die Rückeroberung des öffentlichen Raumes: Für Fußgänger!

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