Rede von Katharina Krefft zum Thema Zuzugsbonus für Studierende am 20.09.2006

Sehr geehrter Herr OBM, geehrte Stadträte und Stadträtinnen, liebe Gäste.

Vor uns liegt ein Prachtstück kleinbürgerlichen Denkens. Die Umstellung des Zuzugsbonus für Studenten. Eingeführt wurde der Bonus, um Studierende zu animieren, Leipziger zu werden, womit die Einwohnerzahl der Stadt Leipzig und damit die Schlüsselzuweisung durch das Land steigen. Pro studierenden Neuleipziger zahlt die Stadtverwaltung 49€. Sie bekommt – oh, das steht hier gar nicht drin.

Nun hat sich der Sparfuchs eingeschlichen. Er sieht, dass in der haushalterischen Darstellung in der Haushaltsstelle des Ordnungsamtes ein Fehlbetrag erscheint. Leider werden zu viele Studierende Neuleipziger. Der Kleingeist sagt: „Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden!“ Welcher Studierende soll aber dran glauben. Und da kommt das alte Vorurteil gerade Recht. Unter den Studierenden gibt’s doch ein paar gar arg faule Lumper. Die nämlich, die über die Regelstudienzeit studieren. Das sind solche Faulenzer, denen scheint’s hier zu gut zu gefallen, weshalb sie nicht fertig werden. Die wollen wir aber nicht. Wir wollen lieber die, die schnell fertig werden und - schnell wieder weg sind?

Meine sehr verehrten Herren und Damen, lieber OBM, es gibt Gründe für längeres Studieren. Gründe, an denen der Einzelne Studierende nichts ändern kann. Zum Beispiel volle Kurse, und man muss ein Jahr warten, um den gewünschten belegen zu können. Studienorganisation. Da wird ein neues Prüfungssystem eingeführt, und Übergangsstudierende müssen noch Kurse belegen, ehe sie die neue Prüfung ablegen können. Es gibt Studierende, die arbeiten müssen, weil sie gerade in diese Lücke fallen zwischen Bafög-Berechtigung und zu hohem Elterneinkommen (aber zu niedrig, um das Kind zu unterstützen). Es gibt Studierende, die sich nachträglich umentscheiden, leider gilt das neue Studium dann als Zweitstudium. - Es gibt in Sachsen übrigens auch weiterhin keine Anstalten, ein Studium generale einzuführen, um dieses Problem zu beheben. - Es gibt Studierende, die sich engagieren und ihre Zeit im Rathaus statt in der Vorlesung verbringen. 
Es gibt schließlich noch die Studierenden, die sich für ein Kind entscheiden und in dieser neuen Lebenssituation die Regelstudienzeit überschreiten. Sie wollen diesen jungen Eltern und ihrem Kind eine Belohnung dafür verwehren, dass sie sich für Leipzig als neuer Heimat entscheiden?

Diese Vorlage verdient einen Preis – den Preis der Kleinkrämer!

- Die Schlüsselzuweisung beträgt übrigens 650 € - jährlich!