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Millionen weg!- Eine Meldung und ihre Geschichte
Text von Katharina Krefft im Ratschlag No. 47
Anfang November titelte die LVZ: 40 Millionen muss die ARGE Leipzig an
den Bund zurückzahlen. Angesichts enormer Arbeitslosenzahlen und
einer katastrophalen Haushaltslage in der Stadt Leipzig, die auch mit
Hartz IV begründet wird, unglaublich. Wie kommt es zu der enormen
Rückzahlung?
Mit der Konstituierung der ARGE Leipzig im November vergangenen Jahres
wurde mit 38.000 Leipziger ALGII-EmpfängerInnen gerechnet. Ein halbes
Jahr später waren es 6.000 mehr. Auf die Verwaltung in der ARGE kam
ein gigantisches Arbeitspensum zu. Die Stadtverwaltung brachte zusätzliche
MitarbeiterInnen in die ARGE ein. Um die Menschen nicht ohne finanzielle
Mittel dastehen zu lassen, entschied die ARGE, zunächst eine pünktliche
Auszahlung der Leistungen zu sichern. Mit Abstrichen gelang dies. Langsam
wurden die Schlangen vor und im Job-Center kürzer. Zudem hatte die
ARGE eine Flut von Widersprüche zu bearbeiten. Die Bearbeitung von
ABM-Anträgen wurde hinten angestellt. Mehrfache Beschwerden seitens
der Träger führten erst zum Jahresende zu Besserungen.
Zunehmend Vorwürfen ausgesetzt, sie könne nicht ordentlich wirtschaften,
verkündete die Bundesagentur für Arbeit dieses Jahr mit deutlich
weniger Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt auskommen zu wollen. So
diktierte die Nürnberger Zentrale der Agentur für Arbeit weniger
ABM zu genehmigen und stärker auf Arbeitsgelegenheiten – sogenannte
Ein-Euro-Jobs - zu setzen. Vor dem Hintergrund der Belastung des Leipziger
Haushaltes durch Zahlung für Kosten der Unterkunft, welche bei ABM
deutlich geringer bis gar nicht anfallen, ist das eine Einsparung für
den Bund auf Kosten der Städte. Der Trägerversammlung der ARGE,
und insbesondere der darin paritätisch vertretenen Stadtverwaltung,
ist eine große Verantwortung dafür zuzuordnen, sich hier nicht
ausreichend widersetzt zu haben.
Unseres Ex-Oberbürgermeister Tiefensee´s Vorhaben als Mitglied
der Hartz-Kommission, Leipzig zum Vorbild bei der Hartz IV-Umsetzung zu
machen, ist klar gescheitert. Leipzig blieb mit seinen Arbeitslosenzahlen
bis heute Schlusslicht in Sachsen, es gab außerdem Ärger über
die Verteilung der vom Bund an das Land gezahlten Mittel für die
29,3 % Beteiligung an den Kosten der Unterkunft. Die ländlichen Kreise
- überwiegend CDU regiert – setzten sich mit ihrer Spitzabrechnung
durch und konnten so ihre Haushalte sanieren. Erst zum Jahresende erreichte
der Koalitionspartner SPD eine Aufstockung der Überweisungen.
Im Sinne der Städte ist auch nicht, dass bei Bundesgesetzen zunehmend
sie die Last der Finanzierung zu tragen haben. So auch bei Hartz IV, obwohl
dazu eine Entlastung der Kommunen versprochen wurde. Ob die Kommunen endlich
Anhörungsrecht bei Gesetzesvorhaben des Bundes bekommen, wie es Bündnis
90/Die Grünen lange fordern, bleibt für die Bundestagsfraktion
weiterhin eine dringliche Aufgabe. Ob die Föderalismusreform auch
hier für Klarheit sorgt, bleibt abzuwarten, immerhin sitzt Wolfgang
Tiefensee nun mit im Kabinett.
Wie viel von der Forderung der CDU und der FDP zu halten ist, die Bundeszuschüsse
an die Agentur für Arbeit deutlich einzuschmelzen, ist heute schon
sicher: Gar nichts. Denn die Städte können hier nur verlieren.
Nicht zu erwähnen, was das für die Arbeitslosen bedeuten würde.
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