| Schulnetzplanung bis 2015
Beitrag im Ratschlag Nr. 49 August 2006 von Katharina Krefft
Nach 2 Jahren Beratung wird im Juli nun die Schulnetzplanung beschlossen. Durch das Anmeldeverhalten an den Mittelschulen und Gymnasien hatte sich die Planung zuletzt noch einmal umfassend verändert.
Die Schließung eines Gymnasiums lässt sich, wie noch vor kurzem befürchtet, bei 54 % Übergangquote nicht mehr rechtfertigen. Auf Grund des entsprechend dramatischen Einbruchs bei den Mittelschulen wurden dagegen die Felix-Christian-Weiße-Mittelschule in Stötteritz bereits per Bescheid des Kultusministeriums aufgehoben. Die Hans-und-Hilde-Coppi-Schule in Nord wird mit der 68. Mittelschule fusionieren. Ebenso werden die 71. Mittelschule und die Schule Portitz zusammengelegt.
Im Falle der Coppi- und der 68.-Mittelschule besteht noch erheblicher Beratungsbedarf. Ich habe erreichen können, dass in der Planung noch offen bleibt, an welchem Standort die fusionierte Mittelschule zukünftig eingerichtet wird. Zwar ist die Coppi-Schule noch die einzig barrierefreie Mittelschule in Leipzig (!), ansonsten aber unsaniert und unattraktiv. Der Investitionsstau an der 68.-Mittelschule ist dagegen überschaubarer, durch die räumliche Nähe zur Paul-Robeson-Schule ist deren Bestand allerdings gefährdet. Doch ich halte es für unerlässlich, den Schulen ausreichend Zeit zur Diskussion und Erörterung zu geben, und nicht richtig, ihnen eine Entscheidung überzustülpen.
Unglücklich ist auch das Vorgehen an den Mittelschulen in Wiederitzsch und Portitz, wo der weitere Fortbestand als Gemeinschaftsschule der einzig mögliche Weg ist. Eine Schule zur neuen Schulform zu zwingen, wird der Idee der Gemeinschaftsschule jedoch nicht gerecht und könnte dem Schulversuch von vornherein und nachhaltig schaden.
Gemeinschaftsschulen werden in Leipzig in der Schulnetzplanung als große und kleine Gemeinschaftsschulen unterteilt – ein besonderes Leipziger Modell, denn nach Koalitionsvereinbarung bedeutet Gemeinschaftsschule gemeinsames Lernen unterschiedliche Formen längeren gemeinsamen Lernens in der Sekundarstufe I und schulformübergreifende Kooperationen. Zur Leipziger großen Gemeinschaftsschule, mit gemeinsamem Lernen bis zur 10. Klasse, wird die Nachbarschaftsschule. Dadurch ist endlich der erfolgreichen Modellschule in Lindenau ein Status gegeben und die Schule kann sich aus ihrer unklaren Lage als Schulversuch verabschieden. Schulen, die sich dem Modell Gemeinschaftsschule neu öffnen, finden sich in Leipzig bisher nicht. Das Modell wird eher nur als Rettung vor drohender Schließung gewählt. Damit wollen wir uns nicht zufrieden geben. Darum haben wir einen Ergänzungsantrag zur Schulnetzplanung gestellt. Aufgenommen werden sollte nach unserem Willen, dass angestrebt ist, in jedem Stadtbezirk das Angebot einer Gemeinschaftsschule einzuplanen. Der Antrag fand unter den derzeitigen politischen Gegebenheiten keine Mehrheit.
Die Finanzmisere der Stadt macht bekanntermaßen vor den Schulen nicht halt. Der Investitionsstau von 535 Mio EUR soll durch Schulschließungen gemindert werden, für die Begrenzung von laufenden Kosten des Schulbetriebes wird diese Lösung auch als probates Mittel verfolgt. Da beide Kriterien – Investitionsbedarf und hohe Betriebskosten auf die 24. Grundschule in Altpaunsdorf zutreffen, ist sie zur Schließung vorgesehen. Der Diskussion ist eine Frist bis Ende des Jahres gegeben. Dass die erwogene Schließung dem Stadtteil die letzte Attraktivität nimmt, ist auch der CDU klar. Und so konnten wir erreichen, dass die Schließung nicht in der Planung vorschnell festgeschrieben wird. Soweit unterstützt die CDU unsere Aktion, will aber dennoch nicht fest zusagen, die Schule mit zu sichern. Wir möchten die Eltern und Lehrer der Schule ermutigen, sich nicht mürbe machen zu lassen im Kampf für ihre Schule! Bis zum Ende des Jahres ist nun Frist, den Stadträten die Notwendigkeit der Schließung auszureden.
Die Schulnetzplanung ist nur ein, wenn auch nicht unwesentlicher Teil, wie Schule gemacht wird. Sie soll Eltern, Lehrenden und SchülerInnen einen verlässlichen Rahmen bieten. Auf die Schulinhalte haben wir StadträtInnen dagegen keinen Einfluss, ebenso wenig darauf, wie gut SchülerInnen lernen. Auch die Zahl der LehrerInnen und ihre Stundenzahlen werden durch das Land festgeschrieben. Dass Schule nicht gut läuft, auch wenn noch nie so viele ein Abitur mit 1,0 absolvierten, lese ich an diesen Zahlen: 14% der Schüler der Abiturstufe legen das Abitur nicht ab, 11% der Schüler verlassen die Mittelschule ohne Abschluss, bei SchülerInnen mit Migrationshintergrund sind es mit 26% mehr als doppelt so viele! (Anteil der SchülerInnen mit Migrationshintergrund 6,02%; Quelle: Sozialreport 2005 für das Jahr 2004).
Mit Beschluss der Schulnetzplanung ist die Diskussion um unsere Schulen also noch lange nicht abgeschlossen.
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