Thema: Rede von Katharina Krefft zum Thema „Antrag Beitritt zum Gesunde Städte Netzwerk“ am 20.02.2008

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
werte Stadträtinnen und Stadträte,
liebe Gäste,

wir beantragen hier die Unterstützung der Ziele und Inhalte der Ottawa-Charta und den Beitritt in das Gesunde Städte Netzwerk. Die Charta wurde 1986 durch die WHO verabschiedet und hat die Gesundheitsförderung zum Ziel. 1989 wurde in Frankfurt am Main das deutsche Gesunde Städte Netzwerk gegründet, dort befindet sich heute auch das Sekretariat. Mittlerweile sind über 60 Kommunen in diesem Netzwerk, Mitgliederversammlungen finden jährlich, ein Symposium aller zwei Jahre statt.

In der gesunden Stadt stehen Gesundheit, körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden im Mittelpunkt aller - nicht zuletzt der politischen - Entscheidungen.
Zu den Zielen des Netzwerkes gehört es daher, Gesundheitsförderung als gesellschaftspolitische Aufgabe im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
der Verwaltungsstandpunkt zu diesem Beitritt ist negativ, nicht weil Sie nicht die Ziele mittragen würden, aber Sie bitten um Aufschub, um Rückstellung des Antrages und Wiedervorlage bei besserer Haushaltslage. Abgesehen davon, dass ich meine, dass die Haushaltslage sich für solche freiwilligen aber nachhaltigen Dinge länger nicht bessern wird, und immer andere Dinge kurzfristigerer Natur Vorrang erhalten werden, haben sie dies bereits 1996 geantwortet, als die SPD-Fraktion diesen Antrag stellte und schließlich zurückzog. Wir lernen daraus, dass Ziele politisch beschlossen werden müssen, und spielen den Ball an sie zurück:
Nehmen Sie den Auftrag mit in Ihre langfristige Haushalts- und Stellenplanung – denn, die liegt in Ihrer Hoheit. Wir verlangen nicht, dass Sie die Ziele sofort erfüllen, aber wir möchten dass Sie die Gesundheitsförderung mitdenken und nicht, dass das Anliegen wieder auf Jahre in der Versenkung verschwindet.

Im Ausschuss wurden uns nachdrücklich die Bedenken der Verwaltung, insbesondere des Gesundheitsamtes vorgetragen. Wir geben Ihnen Recht, das Gesundheitsamt wäre derzeit personell gar nicht dazu in der Lage eine solche Aufgabe zu bewältigen. Allerdings merken wir auch an, dass Gesundheitsförderung nicht nur im Gesundheitsamt geplant und vorangetrieben wird. Das Netzwerk verfolgt das Ziel fachlich und fachpolitisch mit den Mitarbeiterinnen des Gesundheits-, aber auch der Ämter des Sozial- und Bildungswesens, der Umwelt und der Stadtentwicklung, und darüber hinaus mit Initiativen, Projekten und der Selbsthilfebewegung. Somit kann die Koordinierung auch in einem anderen Amt angesiedelt werden.

Wir fangen ja nicht bei Null an, meine sehr geehrten Herren und Damen. Im vergangenen Sommer wurde die umfängliche Analyse der gesundheitlichen Situation älterer Menschen in Erfurt, Halle und Leipzig vorgelegt – beide Städte sind übrigens auch im Gesunde Städte Netzwerk. Wir sind Preisträger zur gesunden Schule, wir machen Gesundheitsförderung, wenngleich wir es oft nicht so benennen.

Warum ist uns der Beitritt so wichtig? Wir wollen das Bewusstsein für Gesundheitsförderung bei politischen Entscheidungen und im Verwaltungshandeln schärfen, wir wollen dass Leipzig eine lebenswerte Stadt bleibt und sich darauf nicht ausruht - und wir wollen im Wettbewerb um Menschen die hier leben möchten, an Attraktivität gewinnen. Wir möchten, dass die Menschen, die hier leben, lange gesund bleiben, denn dann wird sich der demographische Wandel von seiner schönen Seite zeigen. Wir wollen, dass sich die gesundheitliche Situation der Kinder in dieser Stadt erkennbar bessert, weil es das Wichtigste ist, was wir für die Entwicklung eines Menschen tun können, denn Gesundheit ist der Grundstein für alles Weitere.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sie meinten vergangene Woche in der großen Leipziger Zeitung, dass Sie Netzwerke für bedeutsam halten – und in der Tat haben nicht nur wir Probleme. Um so klüger ist es zu schauen, wie andere mit diesen Schwierigkeiten umgehen – bei der Suche nach Lösungen muss das Rad zumeist gar nicht neu erfunden werden. Und, wenn wir eine neue Lösung haben, ist es doch das Beste für Leipzig, wenn wir diese anderen mitgeben können.

Wir bitten um Zustimmung zu den Zielen und Inhalten der Ottawa-Charta und zum Beitritt zum Gesunde Städte Netzwerk. Vielen Dank!