Rede zur Vorlage "Bedarfsplanung Kindertagesstätten 2006" am 14. Dezember 2005

Sehr geehrter Herr OBM, sehr geehrte Herren und Damen , liebe Gäste,

vor uns liegt die Bedarfsplanung Kindertagesstätten für das kommende Jahr. Mehr Plätze, mehr Personal, später werden wir auch noch mehr Qualität beschließen.

Allein: man muss genauer hinsehen. Es geht hier ja nicht um bessere Betreuungsschlüssel, oder Good will der Verwaltung, nein: die Bedarfe sind gestiegen. In Leipzig kommen mehr Kinder zur Welt.

Und vergleiche ich die Zahlen, sinken die prozentualen Kapazitäten – also die Anzahl Plätze zu wohnhaften Kindern im Stadtgebiet, außer in den Stadtgebieten Nordost, West und Nordwest bei den Krippen und Mitte und Nordost bei den Kitas. Der Gesamtwert für Leipzig sinkt ebenso. Bei den Krippen von 32% auf 30%, bei den Kitas von 84% auf 82,5%

Diese Bedarfsplanung wird den Bedarfen in der Stadt also nicht gerecht! Nur kann die Verwaltung auch nicht zaubern, neue Plätze sollen im kommenden und im nächsten Jahr entstehen. Plätze in Kindertagesstätten. In Krippen werden bereits mit diesem Plan 400 Krippenplätze weggestrichen, in den folgenden Jahren jedes Jahr noch einmal 100. Begründung: Die Plätze werden so nicht in Anspruch genommen.

Das ist klar. Denn sie sind nicht wohnortnah verfügbar. Wenn Eltern aus dem Süden ihr Kind nach Grünau oder Paunsdorf in eine Krippe geben, dann bedeutet das täglich 2, sogar 3 Stunden unterwegs zu sein. Das steht in keinem Verhältnis. Und so beschloss der Stadtrat die Kapazitätserweiterung im Norden und Süden bei den Kindertagesstätten und den Krippen auf den stadtdurchschnittlichen Wert. Man kann diesen Beschluss natürlich auch so erfüllen, indem man den stadtdurchschnittlichen Wert senkt. Was das aber mit Familienfreundlichkeit und zumeist Müttern die Berufstätigkeit zu ermöglichen zu tun hat, können Sie selber erklären.

Das Problem ist ja die Finanzierung. Betreuung von Kindern kostet Geld. Wir müssen es für das Personal, aber auch für die Räumlichkeiten und die Sachkosten vorhalten. Und da ist die Verwaltung trickig. Sie schafft Plätze für Kleinkinder in der Tagespflege. Sehr billig. Denn die Tagespflegerinnen nutzen ihre eigenen Wohnungen – da muss man sicher auch mal die Frage nach der kindgerechten Ausstattung stellen – und sie bekommen eine Aufwendung in Höhe von 50€ für die Erstausstattung eines Platzes. 50€. Herr Jung erklärte mir im vergangenen Jahr, als wir die entsprechende Vorlage besprachen, das wäre z.B. für Fläschchen. Wäsche. So was. Ich denke, für die Einrichtung eines Tagesplatzes braucht es mehr.

Ich möchte hier nur so weit auf die Bedingungen in der Tagespflege eingehen: Eine Tagesmutter bekommt pro Kind nur den Pauschalbetrag, wenn sie – und das kommt nicht selten vor, zeitweilig weniger Kinder betreut, weil ein betreutes Kind in die KiTa auswächst, und ein neues Betreuungskind noch nicht da ist, nichts. Auch der Personalschlüssel ist schlechter – bis zu fünf Kinder auf eine Betreuerin stehen 2 Betreuerinnen auf etwa 9 Kinder in der Krippe gegenüber.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, so kommen wir an der Stelle nicht zusammen. Wir sehen für dieses Jahr die Notwendigkeiten und die Fortschritte im Bereich Kindertagesstätten. Darum stimmen wir dieser Bedarfsplanung noch zu. Für die Bedarfsplanung 2007, wie sie hier skizziert wird, können sie nicht mit unserer Zustimmung rechnen.