Gläserne Stadträtin  
   
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Stadträtin Bündnis 90/ Die Grünen Leipzig
 

Biographie

30 Jahre in Stichpunkten:

1978 in Bad Kissingen geboren, seit 2000 in Leipzig lebend, Ärztin, verheiratet, drei Töchter (Anna Deborah, Anna Henriette und Anna Beatrix).

Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen seit 1994, 1998-2001 Mitglied in Vorständen der Grünen Jugend (Land und Bund), 2001-2003 Kreisvorstand Leipzig, 2003-2005 Landesvorstand; 2002 Geschäftsführerin; 2002-2004 Büroleiterin im Wahlkreisbüro; seit 2002 Delegierte für den Bundesfrauenrat bei Bündnis 90/Die Grünen. Mitglied in den Bundesarbeitsgemeinschaften Frauen und Gesundheit & Soziales.

Seit 2004 Stadträtin. Sozial-, schul- und frauenpolitische Sprecherin der Fraktion. Tätig im Ausschuss Jugend, Soziales, Gesundheit, Schule und im Verwaltungsausschuss; Aufsichtsrätin der BBVL (Beratungsgesellschaft für Beteiligungsverwaltung Leipzig), Aufsichtsrätin der Klinikum St. Georg gGmbH, Aufsichträtin städtische Alten- und Pflegeheime. Mitglied im Gleichstellungbeirat. Stellvertretend im Ausschuss Wirtschaft und Arbeit,  und im Ausschuss Umwelt und Ordnung.

Mitgliedschaft in Vereinen:
- Eine Welt Verein
- Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Leipzig – Addis-Abeba
- Ökolöwe e.V.
- Gründungsmitglied im RAA Leipzig – Verein für Interkulturelle Arbeit, Jugendhilfe und Schule e.V.

... solidarisch, innovativ, grün

Ich wurde am 02.08.1978 in Bad Kissingen/Unterfranken geboren. Für Politik begann ich mich früh zu interessieren, wuchs ich doch in einem sehr politischen Haushalt auf. Mein Vater ist langjähriges SPD- und Gewerkschaftsmitglied, meine Mutter verließ 1982 die FDP nach deren Entscheidung, fortan mit der CDU zu regieren. In den Diskussionen zu Hause war der Name Helmut Kohl immer präsent, und so gehöre ich zur Generation derer, die lange keinen anderen Kanzler kannten.

Politik spielte sich bei uns aber auch im Kleinen ab. Damit ich als Nachzüglerin nicht alleine aufwuchs, nahmen meine Eltern Pflegekinder auf; zeitweilig waren wir mit 7 Kindern (meine beiden Schwestern waren da allerdings schon im Studium) eine echte Großfamilie. Über meine Geschwister bekam ich allerdings auch einen Blick für die andere Seite der Gesellschaft – Familien, in denen Kinder nicht bleiben konnten, weil die Eltern materiell und vor allem psychisch den Anforderungen nicht gewachsen waren. Das ist für mich auch heute Antrieb zu politischen Engagement.

Politik im Kleinen war auch das Engagement meiner Mutter für das damals noch sozialistische Polen; sie organisierte zum Beispiel Unterstützungspakete für eine körperbehinderte verwitwete Frau. Nach der Wende gehörte der Besuch von Tschernobylkindern oder der Austausch mit Wroclaw/Breslau (organisiert von den Jungen Europäern) oder Ungarn (Schüleraustausch) dazu. Mein Vater vermittelte mir Einblicke in das Arbeiterleben. Als Werkstudentin arbeitete ich mehrere Sommer in einer Fabrik in Schweinfurt. Hier traf ich auf Handwerker, die am Band mehr verdienen konnten als in ihrem Beruf oder auf Zuwanderer aus der Türkei, Polen, Kasachstan und Rumänien. Für sie war die Fabrikarbeit zwar oft ein beruflicher Abstieg, aber getragen von dem Wunsch, dass es ihren Kindern einmal besser gehen sollte.

Mitzuwirken in der Politik war schon früh mein Ziel. Mit 14 war meine politische Rich-tung klar: Bündnis 90/Die Grünen. 1994 trat ich bei und engagierte mich auf Kreisebene, verteilte die Zeitung der Kissinger Grünen, das „Lästermaul“, im Wohngebiet und wurde bald zu Parteitagen delegiert. Nach dem Abitur wirkte ich im ersten Landesvorstand der Grünen Jugend Bayern mit beim Aufbau der Strukturen und des Kontaktes zu den bayerischen Grünen. Bald wurde ich in den Bundesvorstand der Grünen Jugend gewählt und arbeitete hier thematisch zu Frauen-, Wehr- und Globalisierungspolitik. Daneben arbeitete ich ehrenamtlich im neu entstandenen Weltladen in Bad Kissingen.

2000 führte mich das Studium der Humanmedizin nach Leipzig – ganz bewusst nach Ostdeutschland. Das Zusammenwachsen der beiden Deutschland war dafür der eine Anlass, aber auch der Unglaube, dass es im Osten nicht nur noch Neonazis geben könne. Die Berichterstattung in den Medien spiegelte ja ab Ende der 90er nur noch dieses Bild wider.

Politisch engagierte ich mich nun wieder stärker auf kommunaler Ebene. Unter anderem gehörte dazu, die Grüne Jugend aufzuwecken, und 2002 gelang uns dann wirk-lich wieder deren Reaktivierung in Leipzig. Zu dieser Zeit war ich außerdem im Kreisvorstand der Bündnis 90/Die Grünen und ab April bis November 2002 auch als deren Geschäftsführerin und Wahlkoordinatorin aktiv. In Anschluss an die für uns sehr erfolgreiche Wahl arbeitete ich im Wahlkreisbüro unseres Bundestagsabgeordneten Peter Hettlich.

Dies eröffnete mir den Kontakt zum „Raumschiff“ Bundestag, was mich veranlasste, auch anderen Menschen einen Einblick zu ermöglichen. Daraus wurde die Idee des Shadowing geboren: Bis zu einer Woche bekamen junge Leute aus Sachsen die Gelegenheit, einem Abgeordneten über die Schulter zu schauen und ihn im Bundestag zu begleiten, also zu beschatten. Ich habe erlebt, dass das ein sehr erfolgreicher Ansatz ist, jungen Menschen zu zeigen, wie Politik funktioniert, warum Gesetze so lange brauchen, warum der Plenarsaal häufig so leer ist.

Im April 2003 wurde ich in den Landesvorstand gewählt. Das führte bereits im Vorfeld dazu, dass ich sehr viel von Sachsen kennen lernte: als „Reiseland“ an den Wochenenden und als „Problemland“ bei meinen Besuchen in den Kreisverbänden. In erster Linie beschäftigten wir uns mit den Vorbereitungen zur Landtagswahl und bereiteten den Wiedereinzug bündnisgrüner Politiker in den sächsischen Landtag nach 10 Jahren Abstinenz vor. Außerdem gelang es uns erfolgreich, Gisela Kallenbach auf einen aussichtsreichen Platz zur Europawahl zu platzieren und den Leipzigern und Sachsen erfolgreich grüne Europapolitik nahe zu bringen.

Persönlich war für mich das Jahr 2004 mit meiner Wahl in den Stadtrat sehr erfolgreich. Das bedeutete für mich erstmalig, praktische Politik machen zu können. Dafür, was ich vorher als Zuständige für Soziales in Papieren und Wahlprogrammentwürfen formulierte, konnte und kann ich mich nunmehr auf kommunaler Ebene stark machen. Als einen ersten Erfolg sehe ich für mich die Verbesserung der wohnortnahen Kinderbetreuung sowie die Einrichtung des Arge-Beirates, auf den die Stadtverwaltung lange warten ließ.

Allerdings erlebe ich auch, wie wenig Gestaltungsmöglichkeit ein Stadtrat in Zeiten leerer Kassen, aber vor allem bei schwacher verfassungsrechtlicher Stellung hat. Erfolge werden häufig der Politik der Stadtverwaltung und nicht dem Stadtrat zugeschrieben. Der starken Stellung des Oberbürgermeisters kommen die ehrenamtlichen Stadträte oft nur bei der Haushaltsaufstellung bei. Als echte Behinderung nehme ich die Kürzung in der Fraktionsfinanzierung wahr – ein schwer vermittelbares Problem, wird man doch schnell in die Ecke von Raffkes geschoben und weniger erkannt, wie wichtig es für die BürgerInnen ist, dass die Aufgaben Kontrolle und Information geleistet werden können.